Mobile Sehbehindertenlehrer:innen
Rolle und Aufgaben
Mobile Sehbehindertenlehrer:innen sind spezialisierte Pädagog:innen, die direkt am Schulstandort mit dem Kind arbeiten, Lehrkräfte beraten und Hilfsmittel anpassen. [Q1]
Aufgaben im Detail
| Aufgabenbereich | Beschreibung |
|---|---|
| Direkte Förderung | Sehbehindertenspezifische Förderung am Schulstandort (bis zu 4 Wochenstunden) |
| Beratung der Lehrkräfte | Information über CVI, konkrete Maßnahmen, Materialanpassung |
| Hilfsmittelanpassung | Bedarfserhebung, Erprobung, Empfehlung von Hilfsmitteln |
| Materialerstellung | Textoptimierte Arbeitsblätter, angepasste Prüfungen |
| CVI-Inspektionsliste | Erstellung und Pflege gemeinsam mit der Lehrkraft → 06 IBEP |
| IBEP-Erstellung | Unterstützung bei der Erstellung des Individuellen Bildungs- und Entwicklungsplans |
| Elternberatung | Information über Rechte, Fördermaßnahmen, Hilfsmittel |
| Übergangsbegleitung | Bei Schulwechseln: Information an neue Schule weitergeben |
| [Q1, Q15] |
Rechtsgrundlage
- § 39 Abs. 3 SchOG (AHS), § 55a Abs. 2, § 68a Abs. 2 SchOG
- Bis zu 4 Wochenstunden direkte Förderung am Schulstandort
- Voraussetzung: Klinischer Befund für Sehbehinderung oder CVI
- Funktioniert ohne SPF-Feststellung [Q1]
Zugang
- Kontakt über die Bildungsdirektion des jeweiligen Bundeslandes
- Beratungszentren für Inklusion (ehemals Sonderpädagogische Zentren)
- Kontakt zu mobilen Teams über die Schule [Q2]
"Nehmen Sie für Fragen zu den ausgleichenden Maßnahmen Kontakt zu den mobilen Teams auf!" [Q2]
Beratungszentren für Inklusion
Aufgaben
- Zentrale Anlaufstelle für alle Fragen zu Inklusion und Sonderpädagogik
- Koordination der mobilen Dienste
- Beratung von Eltern und Lehrkräften
- SPF-Verfahren begleiten
- Vernetzung der beteiligten Fachkräfte
Standorte
- An jeder Bildungsdirektion gibt es Beratungszentren
- Fachbereich für Inklusion, Diversität und Sonderpädagogik [Q2]
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Betreuung von Kindern mit CVI erfordert die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen [Q5]:
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│ Kind mit │
│ CVI │
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│
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│ │ │
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│ Medizin │ │Pädagogik│ │ Eltern │
└────┬────┘ └────┬────┘ └─────────┘
│ │
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│ │ │ │ │ │
Augen- Ortho- Neuro- Klass- Mobiler
arzt ptik psych. lehrer Dienst
Beteiligte Berufsgruppen
- Orthoptist:innen - CVI-Diagnostik, Funktionsprofil
- Augenärzt:innen - Okuläre Abklärung, Brille
- Ergotherapeut:innen - Alltagsstrategien, Feinmotorik
- Kinderpsycholog:innen - Kognitive Entwicklung
- Kinderfachärzt:innen - Medizinische Gesamtbetreuung
- Kinderneurolog:innen - Neurologische Abklärung
- Logopäd:innen - Sprachentwicklung
- Physiotherapeut:innen - Motorik, Gleichgewicht
- Elementarpädagog:innen - Frühförderung
- Lehrkräfte - Unterricht und Förderung [Q5]
"Gemeinsames Ziel ist, das bestmögliche Umfeld und die größtmögliche Unterstützung für die betroffenen Kinder und deren Eltern zu schaffen, sowie das Kind in seiner Entwicklung und im Lernen zu unterstützen und zu fördern." [Q5]
Spezifische Anlaufstellen
Orthoptik Austria
- CVI-Arbeitsgruppe unter Leitung von Michaela Sieger
- CVI-Box (Untersuchungsmaterial für visuelles Funktionsprofil)
- Orthoptist:innen-Suche mit Filter "CVI-Diagnostik" [Q5, Q8]
Multidisziplinäre Beratungsstelle für visuelle Wahrnehmungsstörungen - Bayern (MB-CVI)
- Gegründet 2017 am Sehbehinderten- und Blindenzentrum Südbayern
- Ansprechpartnerin: Dr. Lydia Unterberger
- Diagnostik, Beratung, Förderung, Hilfsmittelberatung, schulische Versorgung [Q13]
Forschungsprojekte
- "Growing up with CVI" (FHNW, Schweiz) - Untersuchung der CVI-Prävalenz und Unterstützung betroffener Familien [Q9] → 17 Forschung
Querverweise:
- → 04 Diagnostik - Abklärungsverfahren
- → 05 Pädagogische Strategien - Was mobile Dienste beraten
- → 08 Lehrplanzusatz - Grundlage der Förderung
- → 10 SPF - Alternative: Förderung ohne SPF
- → 12 Elternrechte - Zugang zu mobilen Diensten
- → 13 Lehrerpflichten - Kooperationspflicht
- → 14 Hilfsmittel - Hilfsmittelberatung
- → 15 Assistenz - Abgrenzung Assistenz vs. mobiler Dienst